Modellflugsportverein Nordpfalz e.V.

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Hey Joe nach FMT-Bauplan

Baubericht zum Hey Joe nach einem Bauplan aus der FMT

An einem Sonntag im Mai 2009 wollten wir einen Seglerschlepp durchführen. Als Schleppmodell stand mein Trainer zur Verfügung der extra mit einem 10ccm Motor aufgerüstet wurde. Geschleppt werden sollte ein Flamingo mit 2,8m Spannweite und entsprechendem Gewicht (was aber professionell ignoriert und schön geredet wurde). Fertig zum Start standen wir auf der Startbahn, Vollgas und los sollte es gehen. Aber nichts geschah. Der Motor des Trainers heulte auf, das Schleppseil war kurz vor dem versagen aber der Segler bewegte sich nicht einen Zentimeter nach vorne. Enttäuscht sahen wir ein das diese Schleppkombination nicht wirklich der Bringer ist und bauten wir wieder zusammen.

Zuhause angekommen machte ich mir Gedanken wie man diesen Missstand beheben könnte. Ich erinnerte mich an einen Baubericht den ich vor ein paar Monaten in der FMT Zeitschrift gelesen hatte. Das Modell hieß "Hey Joe" und gefiel mir schon als ich den Baubericht las. Somit war die Entscheidung schnell getroffen. Da es dieses Modell nur als Bauplan bei FMT gab, habe ich ihn bestellt und 2 Tage später lagen 2 Zeichnungen mit gefühlten 10m² pro Zeichnung in meinem Briefkasten. Und jetzt ging die Planung los. Zuerst wurden die beiden Zeichnungen genau studiert und die Größe der Spanten, Rippen und der Beplankung ermittelt. Alles in eine Art Stückliste in den Computer und bestellt. Ein paar Tage später lag ein Kubikmeter Holz vor mir. Jetzt wurden die beiden original Zeichnungen 2 mal vervielfältigt und dann konnte es losgehen.

Das meiste Kopfzerbrechen bereiteten mir die Rippen für die Tragflächen aber zum Glück gibt es Vereinskollegen, die eine CNC Fräse ihr eigen nennen. Neben den Rippen konnte mir der Kollege auch alle Rippen aus dem Vollen fräsen. Was mir eine Menge Arbeit ersparte. Für das Zuschneiden der Einzelteile wie Rumpfboden, Seitenteile, Leitwerk, usw. habe ich einen der kopierten Baupläne auseinander geschnitten und die Zuschnitte auf die entsprechenden Hölzer geklebt. Damit waren alle erforderlichen Konturen und Maße 1:1 auf dem Holz und das schneiden, bohren und sägen konnte losgehen.

Gestartet wurde mit den Flächen. Die Rippen und Holme ausrichten und verkleben. In die ersten drei Rippen waren auch schon die Löcher für die Aufnahme der Flächensteckung drin was die Ausrichtung und den Einbau sehr vereinfachte. Nasenleiste (4-kant) und Endleiste dran sowie die Beplankung drauf. Für die Querruder wurden jetzt die Ruderflächen herausgesägt, das Ruder und die Ausklinkung mit Balsa verkleidet, angepasst und mit Scharnieren wieder am Flügel befestigt. Für die Ruderanlenkung habe ich dann aus 2mm Sperrholz angefertigt und eingeklebt. Die Servohalterung der Querruder besteht einfach aus 2 Kieferleisten die entsprechenden eingeklebt wurden. Das ganze mal 2 und fertig sind die beiden Flächen.

Ganz klar das da noch einiges verschliffen, geschnitten, geklemmt, gepinnt und verklebt wurde, aber das wäre hier zu viel des Guten. Nach den Tragflächen kam das Leitwerk und Seitenruder dran. Das ging relativ schnell und einfach. Hier habe ich den kopierten Bauplan als Vorlage genommen und einfach nur die Balsastäbe angepasst und verklebt. Auch hier war wieder einiges zu schleifen. Zum Ansteuern der Höhenruder wurden 2 HS125 Flächenservos in der Fläche verbaut und kurz ans Ruder angelenkt. Für die Anlenkung des Seitenruders wurde ein Servo unter der Seitenruderfläche ins Höhenruder eingebaut. Die Anlenkung des Ruders erfolgt mit zwei ca. 100mm langen CFK Stäbchen Das Höhenleitwerk hat eine Spannweite von ca. 800mm und das Seitenleitwerk steht ca. 300mm in die Höhe. Das sind schon Abmessungen die manch kleines Flugzeug hat. Da man auch auf einfache Weise an das Seitenruder Servo kommen muß und evtl das geasmte Leitwerk zum Transport abbauen musste war Kreativität gefragt. Am Ende wurde das komplette Leitwerk mit 2 GFK Schrauben am Rumpf und das Seitenleitwerk separat mit Schrauben am Höhenleitwerk befestigt. Die Verbindung und Ausrichtung zwischen dem Rumpf und den Leitwerken habe ich mit CFK Rohren ausgeführt.

Nach den Flächen kam der Rumpf an die Reihe. Die beiden Seitenteile waren aus einem Stück und ca. 1,3m lang. In diesen waren auch schon die Löcher für die Steckung eingefräst worden (aber auch nur die), was das Ausrichten und weiterbearbeiten ziemlich erleichterte. Mit viel Ponal Express, Zwingen, Gummiebändern und Nadeln stand er dann nach ein paar Tagen vor mir. Ein riesen Teil! Da der Rumpfrücken nicht flach sondern eine Bogenform hat wurde der mit 3mm Balsa beplankt. Das Balsa wurde vor dem Beplanken angefeuchtet so das man sie besser an die Kontur anpassen konnte. Nachdem alles beplankt und verkleidet war, ging es wieder ans schleifen, was aufgrund der Rumpfgröße schon einige Zeit in Anspruch nahm. Aber am Ende waren alle Kanten dann doch rund.

Da der Joe ja zum Schleppen eingesetzt werden sollte wurde auch noch eine Schleppkupplung auf dem Rumpfrücken eingebaut. Das ganze aus einem Stück Kieferleiste herausgearbeitet und auch schön nach hinten abgestrebt. Jetzt war es an der Zeit den Motor am Kopfende zu befestigen. Für den Antrieb habe ich mir bei Ebay einen 3W 42i aus Österreich ersteigert. Mein erster Benzin Motor. Da jeder Motor anders ist und es keine wirklichen Maße für meinen Motor im Bauplan zu finden waren habe ich mir einen Motorträger aus dickem Karton gebaut. Diesen habe ich dann als Vorlage für den endgültigen Träger genommen. Gebaut wurde der Träger aus 10mm mehrfach verleimten Kieferplatten. Ausgerichtet, angeschraubt und mit viel GFK Matten und Harz am Kopfspant befestigt. Jetzt ist es eigentlich fast geschafft, der Holz Rohbau ist fertig.

Ein Haupffahrwerk, das wie angegossen passt, hatte ich in Lampertheim gefunden. Aber was tun mit dem Spornrad? Hier fand ich nichts was passte. Also was tun? Am besten selber bauen. Gesagt getan. Aus zwei aufeinander geklebten Dachlatten habe ich die Form des Sporns ausgeschnitten. Resultat war eine ober und unter Form. Die beiden Hälften wurden verschliffen und dann ging es los mit dem Laminieren. Die untere Form deckte ich mit dem Wachspapier, von der Rückseite einer Bügelfolie, ab und dann ging es los. Immer eine Schicht Harz gefolgt von einer GFK Matte. Als ich ungefähr in der Mitte des Aufbaus war, legte ich noch drei flache CFK Stäbe ein. Dann ging es weiter mit dem Schichten. Die letzte Schicht habe ich wieder mit einen Wachspapier abgedeckt und die Oberform aufgelegt. Das ganze Paket habe ich dann mit Schraubzwingen in Form gebracht und aushärten lassen. Danach konnte ich den Sporn zurechtschneiden und die Radaufnahme einbauen. Das ganze noch mit 2 Schrauben am Rumpf befestigt und fertig.

Um einen Eindruck zu bekommen wie der Flieger am Ende aussehen soll, habe ich verschiedenen Designs im Computer ausprobiert. Das kann man einfach mit Power Point machen, indem man die Draufsicht ungefähr nachzeichnet und dann mit Farbe ausfüllt. Nachdem die Farben gefunden waren konnte auch bespannt werden. Dazu benutzte ich Folien von Oracover. Auch damit war ich dann irgendwann fertig und der HEY JOE ist bereit zum ersten Start des Motors und dem Erstflug. Mein Ziel war es den Erstflug noch vor dem Jahreswechsel durchzuführen. Doch das Wetter spielte nicht wirklich mit und so gab es nur das Starten des Motors in der Garage am 22.12.2009.

Bis zum Erstflug vergingen dann noch fast drei Monate. Am 14.März 2010 ging der Hey Joe das erste mal in die Luft. Er flog wie eine alte Oma, gemächlich und langsam. Nach einer gelungenen Landung war auch der Pilot wieder ruhiger. Warum hatte ich das Teil gebaut?... Ach ja, als Segler Schlepper. Also, irgendwann kam dann auch der Tag der Wahrheit. Der gleiche Segler ein anderer Schlepper. Das Gespann wurde aufgebaut, Gas rein und … es setzte sich wirklich in Bewegung. Da dies mein erster Schlepp war, war er auch entsprechend hakelig. Nach den Beobachtungen der fachkundigen Zuschauer und Zeitzeugen war es ein unruhiger Schlepp bei dem mein Joe einen hecklastigen Eindruck machte. Aber, egal wie er flog, er hat den widerspenstigen Segler bezwungen und in die Luft gebracht. Das war ja das Ziel der Übung. Nach einem halben Jahr im Bastelkeller war es ein erfolgreicher Abschluss des Projekts Hey Joe. [vg]


Modellname:
Hey Joe
Bauplan:
FMT
Spannweite:
2.30m
Länge:
1.83m
Abfluggewicht:
~8.5Kg
Motor:
40 ccm³




Deutscher Modellfliegerverband Rheinland-Pfalz Donnersbergkreis Rockenhausen

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Hey Joe (FMT)